Schlundverstopfung statt Party

Eine Schlundverstopfung ist lebensbedrohlich. Das Pferd kann innerhalb weniger Stunden sterben. Die Behandlung ist anstrengend und langwierig. Und gehört unbedingt zu den Notfällen. Wie gut, wenn die Haustierärztin Notdienst macht!

von Dr. Henrik Hofmann

Eigentlich waren wir bei unserer Freundin Heike zur Umzugs-Party eingeladen: Kistenschleppen, Bierchen trinken und dummes Zeug reden. Wir hatten gerade die Musikanlage aufgebaut, da klingelte das Notdienst-Handy. Die Pferdebesitzerin kannte die Symptome und wusste: „Wie es aussieht, hat er eine Schlundverstopfung – könnt ihr bitte so schnell wie möglich kommen?“ Heike kennt uns schon sehr lange und hatte zum Glück Verständnis: „Tierärzte einladen endet meistens so… Aber immerhin wart ihr da! Wenn auch nur fünf Minuten.“

Typische Symptome…

…für eine Schlundverstopfung sind Unruhe, plötzliche Appetitlosigkeit und ständiges krampfhaftes Schlucken. Speicheln und Futterbrei werden in großen Mengen ausgehustet oder laufen aus der Nase. Sehr oft steht das Pferd zwischendrin breitbeinig mit gesenktem Kopf da und lauscht in sich hinein. Das Pferd schwitzt stark. Um die Schlundverstopfung herum bildet sich meist ein Krampf in der Muskulatur der Speiseröhre. Der ist für das Pferd sehr schmerzhaft und macht es unmöglich, dass der Fremdkörper von alleine weiter rutscht.

Die intravenöse „Entspannungsspritze“ löst die Blockade rund um den Fremdkörper in der Speiseröhre.
(c)2019 Dr. Henrik Hofmann, Butzbach

Die Behandlung

Für die Blockade gibt es drei typische Stellen: direkt hinter dem Kehlkopf, am Eingang des Brustkorbs und an der Stelle, an der die Speiseröhre

Schlundverstopfung: „Trichtertrinken“?
(c)2019 Dr. Henrik Hofmann, Butzbach

Schlundverstopfung: Nasenschlundsonde, um den Fremdkörper zu lösen (c)2019 Dr. Henrik Hofmann, Butzbach

durch das Zwerchfell tritt.

Ist die Blockade gefunden, wird meist eine Nasen-Schlund-Sonde geschoben und die Blockade in mühevoller Kleinarbeit gelöst und ausgespült. Dazu wird immer wieder Wasser über einen Trichter in die Sonde gegossen. Anschließend wird die Sonde nach unten gehalten, Wasser mit gelösten Futterbestandteilen fliesst ab. Diese Prozedur wird mehrmals wiederholt. Das ist für das Pferd sehr unangenehm. Aber „nützt ja nix, was muss das muss“. Zusätzlich werden meist ein Schmerzmittel und ein krampflösendes Mittel gespritzt.

Klappt das Freispülen nicht, muss das Pferd in die Klinik. Dort wird dann unter Narkose versucht, die Blockade mit einem Endoskop und weiteren Spülungen zu lösen. Im Extremfall muss der Fremdkörper chirurgisch entfernt werden. Das ist allerdings nicht immer möglich.

Deshalb ist es wichtig, den Tierarzt schnell zu rufen. Denn je länger die Speiseröhre verstopft ist, desto mehr schwillt sie an. Dann löst sich die Blockade immer schlechter. Besteht die Schlundverstopfung länger als sechs Stunden, kann das Gewebe an dieser Stelle absterben. Dann bilden sich Narben, die das Pferd noch anfälliger für Schlundverstopfungen machen. Narben kann es auch geben, wenn Fremdkörper die Speiseröhre verletzten. Daher sollten Sie nicht versuchen, die Verstopfung durch herumdrücken zu lösen.

Checkliste: Was tun bei einer Schlundverstopfung?

  • Ruhe bewahren!
  • Das Pferd nicht mehr fressen oder trinken lassen (Wichtig!)
  • Den Tierarzt rufen und abwarten!
  • Beruhigend auf das Pferd einwirken. Denn auch Pferde bekommen in dieser Situation häufig Panik.

Schlundverstopfung: „Trichtertrinken“?
(c)2019 Dr. Henrik Hofmann, Butzbach

Wie kann man vorbeugen?

Es gibt ein paar Sachen die man tun, um einer Schlundverstopfung vorzubeugen. Füttern Sie zum Beispiel nie zu viel auf einmal. Bekommt das Pferd mehr als drei Liter Futter pro Mahlzeit, sollte man das Futter lieber auf mehrere Mahlzeiten verteilen. Quellfähiges Futter wie Rübenschnitzel oder Heucobs immer ausreichend aufquellen lassen, Obst immer in ausreichend große Stücke schneiden, so dass das Pferd zum kauen gebracht wird. Ganz verschluckte Karottenstücke sind eine häufige Ursache für Schlundverstopfungen. Gefahren bergen auch kleine harte Äpfel und Birnen, die ganz gefressen werden.Regelmäßige Zahnkontrolle (1x Jährlich, Alte Pferde 2x Jährlich) durchführen lassen.

In diesem hier geschilderten Fall waren „Heucobs“ die Übeltäter.

Bis der Tierarzt vor Ort ist, kann man die Speiseröhre sanft magenwärts massieren bzw. „streicheln“. Je nach dem, um was für einen Fremdkörper es sich handelt, kann durch ihn die Speiseröhre (im verkrampften Zustand) allerdings verletzt werden. Also Vorsicht!

So, das war’s dann mit unserer Party! Aber: Das Pferd ist gerettet! Unser Heimweg mit Blick über das schöne Hoch-Weisel am späten Abend.       (c)2019 Dr. Henrik Hofmann, Butzbach

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